In dieser Rubrik hast du die Möglichkeit, Aufnahmen zu veröffentlichen. Schick mir dazu einfach einige deiner
besten Fotoergebnisse, die bei einem meiner Kurse entstanden sind, an:
emails@photographycreativity.com
Viel Spaß!
Hier siehst du beeindruckende Fotos von Horst Joachims, die beim letzten »Fotowochende in Brüssel« entstanden sind.
Ich werde nach und nach auch noch die tollen Aufnahmen der anderen insgesamt sieben Teilnehmer*innen
hinzufügen, also bleib am Ball und schaue immer mal wieder rein, es lohnt sich! Ich wähle die Highlights immer nach meiner
„20-Sekunden-Regel“ aus. Diese Regel bedeutet im Grunde: Wenn ein Bild es schafft, meine Aufmerksamkeit deutlich länger festzuhalten als nur den typischen schnellen ersten Blick, dann hat es fotografisch etwas Besonderes. Also nicht nur: „Oh,
schöne Location.“ - weiter! Sondern ein Bild, bei dem ich automatisch hängen bleibe, immer wieder kleine Details entdecke,
die Bildgestaltung betrachte, die Stimmung spüre oder mich frage, warum das Bild funktioniert.
Fenster zur Gegenwart
Die erste Aufnahme zeigt den Ausschnitt eines beeindruckenden Gebäudes am Grand Place in Brüssel. Statt die gesamte prachtvolle Fassade abzubilden, konzentriert sich das Foto auf die Symmetrie und die reichen Details der historischen Architektur. Vergoldete Ornamente, die strengen Linien der Fenster und die zentrale Büste vermitteln eindrucksvoll die Opulenz der flämischen Barockarchitektur. Bildausschnitt und Bildaufbau sind dabei hervorragend gewählt. Horst fungierte hier als stiller Beobachter. Er hat nicht einfach irgendeinen Fassadenausschnitt fotografiert, sondern eine Szene entdeckt, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Unten rechts im Bild erscheint eine einzelne Person am Fenster und wird zum eigentlichen Blickfang der Aufnahme. Während die jahrhundertealte Fassade zeitlos und monumental wirkt, steht dort ein Mensch mit Smartphone – ein Moment aus der Gegenwart. Gerade dieser Kontrast zwischen Geschichte und Moderne verleiht dem Bild seine besondere Spannung. Die Figur wirkt beinahe verloren in der Größe und Pracht des Bauwerks und erinnert daran, wie klein der Mensch gegenüber den Zeugnissen vergangener Jahrhunderte erscheint. So entsteht eine faszinierende Aufnahme, die weit über eine reine Architekturfotografie hinausgeht und mich deutlich länger als 20 Sekunden in den Bann gezogen hat.
Dem Himmel entgegen
Das zweite Foto erzählt eine ganz andere Geschichte als das erste. Hier steht nicht die Architektur im Mittelpunkt, sondern ein emotionaler Augenblick zwischen Menschen – die historische Kulisse dient als Bühne. Im Zentrum der Aufnahme sehen wir einen Vater, der sein Kind emporhebt, das mit ausgestreckter Hand nach einer großen Seifenblase greift. Die Szene wirkt spontan und ungezwungen, zugleich aber perfekt eingefangen. Besonders gelungen ist die Bildkomposition: Die Seifenblase schwebt im oberen linken Bereich und bildet das Ziel des kindlichen Blicks und der ausgestreckten Hand. Dadurch entsteht eine unsichtbare Verbindungslinie, die das Auge des Betrachters durch das Bild führt. Die warmen Lichter der nächtlichen Kulisse, die fröhlichen Gesichter und die Reflexionen auf der Blase erzeugen eine beinahe märchenhafte Atmosphäre. Horst beweist hier erneut sein Gespür für den entscheidenden Moment. Nicht die beeindruckende Architektur macht das Bild besonders, sondern die menschliche Geschichte, die sich davor abspielt. Das Staunen des Kindes, die Freude des Vaters und die vergängliche Schönheit der Seifenblase verschmelzen zu einer Szene, die an die kleinen magischen Momente des Lebens erinnert.
Eine Pause am Kunstberg im dritten Bild
Dieses Foto zeigt eine ruhige Szene am berühmten Mont des Arts, dem Kunstberg von Brüssel. Während dieser Ort normalerweise für seine beeindruckenden Ausblicke, Museen und die zahlreichen Besucher bekannt ist, richtet Horst den Blick auf einen stillen Moment abseits der touristischen Hektik. Ein einzelner Mann sitzt auf einer Bank entlang der geometrisch angelegten Gartenanlage. Interessant wirkt die Haltung der Person. Obwohl sie in sich gekehrt und nachdenklich erscheint, richtet sich ihr Blick scheinbar in Richtung des Fotografen. Es entsteht der Eindruck, als hätte sie Horst im entscheidenden Moment bemerkt. Dadurch entwickelt sich eine subtile Verbindung zwischen Fotograf und Motiv, die dem Bild zusätzliche Spannung verleiht. Der Mann bleibt Teil der ruhigen Szenerie, tritt aber gleichzeitig für einen Augenblick aus seiner Gedankenwelt heraus.Die sorgfältig geschnittenen Hecken, die rhythmisch angeordneten Brunnenbecken und die geschwungene Wegeführung erzeugen eine starke Tiefenwirkung und verleihen dem Bild eine harmonische Struktur. Besonders gelungen ist die Platzierung der Person im linken Bildbereich. Dadurch bleibt genügend Raum, um die Gestaltung des Kunstbergs als wesentlichen Bestandteil der Bildaussage einzubeziehen. Die Linien der Hecken und Brunnen führen den Blick durch die Aufnahme und lassen den Betrachter förmlich in die Szene eintauchen. Während sich im Hintergrund Menschen bewegen (Na, hast du sie auf Anhieb entdeckt?) und das Leben der Stadt sichtbar bleibt, scheint die sitzende Person für einen Moment innezuhalten. Gerade dieser Gegensatz zwischen Betriebsamkeit und persönlicher Ruhe macht den besonderen Reiz des Bildes aus.
Atomium im Zoomeffekt
Das Atomium zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Brüssels und wird täglich von unzähligen Besuchern fotografiert. Horst entschied sich jedoch bewusst gegen eine klassische Nachtaufnahme und setzte auf eine kreative Aufnahmetechnik, um dem Bauwerk eine völlig neue Wirkung zu verleihen. Während einer Langzeitbelichtung veränderte er gezielt die Brennweite seines Objektivs. Durch diese Technik entstand die charakteristische Verzerrung, die in der Fotografie als Zoomeffekt bezeichnet wird. Dabei werden Lichtquellen während der Belichtung zu strahlenförmigen Linien auseinandergezogen und erzeugen den Eindruck von Bewegung und Energie. Die leuchtenden Kugeln des Atomiums scheinen dadurch förmlich zu pulsieren. Aus dem bekannten Bauwerk wird eine Lichtskulptur, deren Energie sich scheinbar vom Zentrum aus in alle Richtungen ausbreitet. Die Lichtbahnen verleihen der Aufnahme eine Dynamik, die den Blick des Betrachters unmittelbar in das Herz der Konstruktion zieht.
Horst verbindet in diesem Bild technische Präzision mit kreativer Gestaltung. Das Atomium erscheint nicht mehr als statisches Wahrzeichen, sondern als visionäres Objekt voller Kraft. Gerade der gezielt eingesetzte Zoomeffekt macht aus einer bekannten Sehenswürdigkeit eine außergewöhnliche fotografische Interpretation. Die Person im rechten Vordergrund (Ist sie dir direkt aufgefallen?) wirkt keineswegs störend. Vielmehr bildet sie einen natürlichen Vordergrund, der dem Bild Tiefe und Räumlichkeit verleiht. Durch ihre verschwommene Darstellung fügt sie sich harmonisch in die Dynamik des Zoomeffekts ein und unterstützt die Wirkung der Aufnahme, anstatt von ihr abzulenken.
Foto Nr.5: Sternenkugel
In dieser Aufnahme konzentriert sich Horst auf ein einzelnes Element des Atomiums und eröffnet damit einen völlig neuen Blick auf das Bauwerk. Das Bild lenkt die Aufmerksamkeit auf eine der markanten Kugeln, die von den charakteristischen Verbindungsröhren durchzogen wird. Durch die Perspektive von unten und die nächtliche Beleuchtung entsteht eine fast futuristische Wirkung. Die zahlreichen Lichtpunkte erinnern an Sterne und verwandeln die metallische Oberfläche in ein leuchtendes Objekt im Raum. Gerade die Reduktion auf wenige Gestaltungselemente macht den Reiz dieses Bildes aus. Architektur wird hier zu Geometrie, Technik zu Gestaltung und Licht zu einem eigenständigen Bildelement. So entsteht eine Aufnahme, die das Atomium nicht als Sehenswürdigkeit zeigt, sondern als faszinierende Komposition aus Form, Struktur und Licht.
Die Glaskugel, Teil 2
Diese Aufnahme haben wir zuvor schon von Daniel Melzer gesehen, oder? Moment, da ist doch etwas anders! Hast du es bemerkt? Ja, genau, das Atomium steht in der Kugel ja gar nicht auf dem Kopf!? Während Daniel auf die klassische Wirkung der Lensball-Fotografie setzte, und zwar genau so, wie man es von einer Glaskugelaufnahme erwartet, hat Horst sich hier für eine gegenteilige Wirkung entschieden, die in der Nachbearbeitung entstanden ist. Interessanterweise erkennt man an den grünen Bäumen und Sträuchern im unteren Bereich der Kugel, dass hier nicht einfach das gesamte Bild gedreht wurde. Die Vegetation erscheint weiterhin entsprechend der optischen Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung. Gerade dieses Detail verdeutlicht, wie aufmerksam man solche Bilder betrachten kann und wie unterschiedlich sich ein identisches Motiv fotografisch interpretieren lässt.
Zu guter Letzt: Begegnung in Pannenhuis
Großartige Aufnahmen anderer Teilnehmer, die während unseres Fotowochenendes in Brüssel in der legendären Metrostation Pannenhuis entstanden sind, haben wir bereits bestaunen dürfen. Dabei standen die außergewöhnliche Architektur und die markante Beleuchtung der Station im Mittelpunkt. Horsts Blick hingegen richtet sich auf das Leben, das sich darin abspielt. Die einfahrende Metro, die starke Perspektive entlang des Zuges und die zahlreichen Spiegelungen in den Fensterscheiben erzeugen eine spannende Bildwirkung. Innenraum, Fahrgäste und die Lichter der Station überlagern sich zu einem vielschichtigen Zusammenspiel aus Licht und Reflexionen. Besonders ins Auge fällt die junge Frau im Fenster, die den Fotografen scheinbar bemerkt hat. Für einen kurzen Moment entsteht eine Verbindung zwischen Bahnsteig und Zug – eine flüchtige Begegnung mitten im Alltag einer Großstadt. So wird aus einem bekannten Architekturmotiv eine lebendige Momentaufnahme voller Atmosphäre und Geschichten, die sich Tag für Tag hinter den Fensterscheiben der Metro abspielen.
Weiter geht´s mit tollen Aufnahmen von Dirk Beyer ...
Die erste Aufnahme zeigt sehr schön, dass das Atomium nicht nur als Ganzes beeindruckt, sondern auch in seinen Details eine enorme fotografische Wirkung entfaltet. Statt die komplette Konstruktion abzubilden, hat Dirk hier einen bewusst engen Ausschnitt gewählt und sich auf Formen, Linien und Strukturen konzentriert. Das Zusammenspiel der kugelförmigen Elemente mit den massiven Verbindungsröhren, die glänzenden Metallflächen, die geometrischen Dreiecke und die unterschiedlich getönten Fenster erzeugen einen futuristischen Eindruck. Durch die enge Bildkomposition entsteht zudem eine gewisse Rätselhaftigkeit – man erkennt zwar sofort die charakteristische Architektur des Atomiums, entdeckt aber gleichzeitig immer neue Details. Fotografisch lebt das Bild von der Reduktion. Es gibt keine Menschen, keine Umgebung und keine Ablenkungen. Der Blick wird ausschließlich auf die Konstruktion gelenkt. Die hellen Himmelspartien sorgen dafür, dass die dunkleren Metallstrukturen und die bläulich schimmernden Fenster besonders gut zur Geltung kommen.
Das nächste Foto gefällt mir besonders gut, weil es zeigt, was Streetfotografie so spannend macht: das Nebeneinander von Bewegung und Stillstand. Während der Fahrradfahrer und einige Passanten als verwischte Spuren durch das Bild ziehen, bleiben anderere Personen ruhig stehen und werden dadurch automatisch zu weiteren Blickfängen der Szene. Besonders stark wirkt dabei die Frau auf der rechten Bildseite, die völlig in ihr Smartphone vertieft ist und sich scheinbar nicht vom Trubel um sie herum beeinflussen lässt. Gleichzeitig fällt der Mann mit Sonnenbrille links im Bild sofort ins Auge. Durch seine ruhige Haltung und den direkten Blick in Richtung Kamera entsteht ein spannender Gegenpol zur dynamischen Unschärfe der vorbeiziehenden Menschen. Fotografisch ist hier die bewusste Verwendung einer längeren Belichtungszeit der Schlüssel zum Bild. Die Bewegungsunschärfen vermitteln Geschwindigkeit, Hektik und das ständige Kommen und Gehen eines belebten Platzes. Dadurch entsteht fast das Gefühl, mitten im Geschehen zu stehen und den Puls der Stadt unmittelbar zu erleben. Ein gelungenes Streetfoto, das nicht nur einen Ort dokumentiert, sondern auch eine Stimmung transportiert.
Mont des Arts im Fischauge
Dieses Foto zeigt den Kunstberg (Mont des Arts) in Brüssel einmal ganz anders: Durch das extreme Fischaugenobjektiv entsteht der Eindruck, als würde man die Szene durch eine gläserne Kugel betrachten. Die starke Krümmung der Linien verleiht dem Bild eine fast planetenartige Wirkung und lenkt den Blick direkt in die Mitte der Anlage. Besonders gelungen finde ich die Symmetrie der Gartenanlage, die wie ein farbenfrohes Band durch das Bild führt. Die Säulen des Brunnens im Vordergrund bilden einen spannenden Einstieg und geben der Aufnahme zusätzliche Tiefe. Gleichzeitig sorgt der riesige Himmel mit den markanten Wolken dafür, dass das Bild trotz der vielen architektonischen Elemente sehr luftig wirkt. Das Fischauge ist hier nicht nur ein Effekt, sondern ein bewusst eingesetztes Gestaltungsmittel. Es verstärkt die Weite des Ortes und macht aus einer bekannten Aussicht eine ungewöhnliche, fast surreale Interpretation des Kunstbergs. Ein Bild, das sofort Aufmerksamkeit erzeugt und zum Entdecken einlädt.
Bild Nr. 5: Perspektiven, die man erst entdecken muss oder: Das hätte mein Bild werden können!
Dieses Bild zeigt sehr schön, wie moderne Architektur und klassische Bauformen miteinander in Dialog treten können. Im Mittelpunkt steht der markante gläserne Baukörper, dessen schräg verlaufende Streben und asymmetrischen Linien einen spannenden Kontrast zu den eher streng und regelmäßig gestalteten Gebäuden im Hintergrund bilden. Besonders gelungen finde ich hier die vielen Ebenen, die sich durch die Glasfassade ergeben. Je länger man das Bild betrachtet, desto mehr entdeckt man: Spiegelungen der umliegenden Architektur, die Konstruktion im Inneren des Gebäudes und die grafischen Linien, die sich kreuzen und überlagern. Dadurch entsteht eine fast abstrakte Wirkung, obwohl das Motiv auf den ersten Blick recht sachlich erscheint. Interessanterweise war mir dieser Glaskasten während unseres Fotowochenendes ebenfalls sofort ins Auge gefallen. Dirk sprach mich sogar darauf an, weil ihn das Objekt ebenso faszinierte. Allerdings wusste ich in diesem Moment nicht so recht, wie ich dieses ungewöhnliche Bauwerk fotografisch spannend in Szene setzen könnte. Die Perspektive, die Dirk hier gefunden hat, habe ich gar nicht entdeckt. Im Nachhinein hätte ich mich wohl intensiver umschauen sollen – genau das, was ich in meinen Workshops immer predige: nicht beim ersten Blick stehen bleiben, sondern Motive umrunden, verschiedene Standpunkte ausprobieren und nach ungewöhnlichen Perspektiven suchen. Umso schöner finde ich dieses Bild, denn es erinnert mich daran, dass auch ich als Fototrainer immer wieder von meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern lerne. Oft entdecken sie Blickwinkel oder Bildideen, die mir selbst verborgen geblieben wären. Genau dieser kreative Austausch macht Fotoworkshops für mich so spannend.
Auch die grüne Hecke im Vordergrund erfüllt eine wichtige gestalterische Funktion. Sie bildet einen natürlichen Rahmen und setzt einen frischen Farbakzent zwischen den eher kühlen Grau- und Blautönen der Architektur. Dadurch wirkt das Bild ausgewogen und erhält zusätzliche Tiefe.
Dieses Bild zeigt eines der ungewöhnlichsten Wahrzeichen Brüssels: die berühmte Carillon-Uhr am Mont des Arts. Was mir hier sofort gefällt, ist die klare und aufgeräumte Bildgestaltung. Dirk hat die Fassade nahezu frontal aufgenommen und damit die Symmetrie des Motivs betont. Die Uhr mit ihren goldenen Strahlen bildet den natürlichen Mittelpunkt des Bildes und zieht den Blick sofort auf sich. Die vielen kleinen Figuren rund um das Zifferblatt stechen als nächstes ins Auge. Sie wirken fast wie Schauspieler auf einer Bühne und verleihen dem Bauwerk eine verspielte, beinahe märchenhafte Note. Gleichzeitig sorgen die klaren Linien der Architektur dafür, dass das Bild trotz der vielen Details ruhig und strukturiert wirkt. Dann gleitet mein Blick abwechselnd auf den einfahrenden Bus und die Glockenspielerfigur auf dem Dach. Und dann ist da ja noch Petra auf der linken unteren Seite zu sehen, die so überraschend in Blickrichtung der Kamera schaut, als hätte sie den Fotografen genau in dem Moment entdeckt und dahinter ist mein Schatz zu sehen! Die mit dem Koffer ankommende Dame vorne in der Mitte rundet das ganze Geschehen noch ab! Das ein Bild so viele Geschichten erzählen kann, hätte ich nicht gedacht! Solche kleinen, ungeplanten Momente machen Reisefotografie oft besonders charmant, weil sie nicht nur Sehenswürdigkeiten zeigen, sondern auch Erinnerungen an die gemeinsamen Erlebnisse transportieren.
Der Fotograf im Fokus in Bild 9 oder: Spiegelbild eines Fotowochenendes!
Diese Aufnahme bringt für mich perfekt auf den Punkt, worum es bei einem Fotowochenende geht: Motive entdecken, kreativ experimentieren und auch einmal Teil des Bildes werden. Dirk hat hier nicht einfach die rote Skulptur fotografiert, sondern die integrierte Spiegelfläche genutzt, um ein originelles Selbstporträt entstehen zu lassen. Stark wirkt dabei der Kontrast zwischen den leuchtend roten Formen der Skulptur und den kühlen Blautönen von Jacke und Regenschirm. Die geometrischen Linien führen den Blick direkt zur Spiegelung und machen den Fotografen selbst zum Mittelpunkt der Aufnahme. Gleichzeitig sorgt die ungewöhnliche Form des Spiegels dafür, dass das Bild fast wie ein Blick in eine andere Welt wirkt. Dass das Wetter an diesem Tag alles andere als ideal war, macht die Aufnahme sogar noch interessanter. Der Regenschirm wird zum wichtigen Gestaltungselement und erzählt ganz nebenbei eine kleine Geschichte von unserem teils verregneten Fotowochenende in Brüssel. Solche Bilder mag ich besonders, weil sie zeigen, dass gute Fotografie nicht vom perfekten Wetter abhängt. Oft entstehen die kreativsten Ideen genau dann, wenn man sich auf die Situation einlässt und offen für ungewöhnliche Perspektiven bleibt.
Dieses Foto ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man in einer U-Bahn-Station mehr entdecken kann als nur Züge und Gleise. Auf den ersten Blick fallen die markanten orangefarbenen Wandfliesen ins Auge, die nicht nur an Ommas Wohnzimmertapete aus den 70ern erinnert, sondern verrät, dass man sich hier in der legendären Station "Pannenhuis" befindet. Doch der eigentliche Clou der Aufnahme liegt in der Spiegelung. Dirk hat den einfahrenden Zug nicht einfach dokumentiert, sondern die reflektierende Glasscheibe genutzt, um Realität und Spiegelbild miteinander zu verbinden. Dadurch entstehen spannende Wiederholungen der Linien und Farben, die das Bild fast grafisch wirken lassen. Die orangefarbenen Streifen setzen sich in der Spiegelung fort und erzeugen ein faszinierendes Spiel aus Struktur, Rhythmus und Symmetrie. Man entdeckt erst auf den zweiten Blick, was hier tatsächlich Spiegelung und was Realität ist. Genau solche Bilder laden dazu ein, etwas länger stehen zu bleiben und die Szene genauer zu erkunden. Die Aufnahme zeigt sehr schön, worüber wir während des Fotowochenendes immer wieder gesprochen haben: Nicht nur das offensichtliche Motiv fotografieren, sondern nach Details, Spiegelungen und ungewöhnlichen Blickwinkeln suchen. Dirk hat diese Aufgabe hier hervorragend umgesetzt und ich habe mir das Bild schon mehrfach deutlich länger als 20 Sekunden angeschaut ...
Hier folgen nun Daniel Melzers tolle Fotos ...
Mit diesem Bild zeigt Daniel Melzer sehr schön, wie wirkungsvoll ein bewusster Bildaufbau sein kann. Statt das Gebäude auf dem Grand Place direkt zu fotografieren, nutzt er den dunklen Torbogen als natürlichen Rahmen und lenkt den Blick gezielt auf die prachtvolle Fassade. Der starke Kontrast zwischen den fast schwarzen Schattenbereichen und dem hell angestrahlten Gebäude sorgt für eine besondere Atmosphäre. Gleichzeitig verleihen die silhouettenhaft dargestellten Menschen im Vordergrund dem Bild Leben und machen die Größenverhältnisse des Platzes greifbar. Solche Aufnahmen zeigen, dass Architekturfotografie nicht nur vom Motiv selbst lebt, sondern auch davon, wie man es inszeniert. Der Torbogen wird hier zum gestalterischen Element und verwandelt einen bekannten Blick auf den Grand Place in ein spannendes Bild mit Tiefe, Kontrast und klarer Bildwirkung.
Der Königliche Palast gehört zu den eindrucksvollsten Bauwerken Brüssels und Daniel hat ihn in dieser Aufnahme ganz bewusst in seiner strengen Symmetrie festgehalten. Die zentrale Perspektive, die exakt auf die Freitreppe und den Säulenportikus ausgerichtet ist, unterstreicht die repräsentative Wirkung des Gebäudes und vermittelt Ruhe, Ordnung und Beständigkeit. Besonders gut gefällt mir die Einbeziehung der gepflegten Gartenanlage im Vordergrund. Die geometrisch geschnittenen Hecken greifen die klare Architektur des Palastes auf und führen den Blick des Betrachters direkt auf das zentrale Gebäude zu. Dadurch entsteht eine harmonische Verbindung zwischen Architektur und Landschaftsgestaltung. Fotografisch zeigt das Bild sehr schön, wie wirkungsvoll eine konsequent mittige Bildgestaltung sein kann. Gerade bei klassizistischen Gebäuden mit ihrer klaren Struktur verstärkt die Symmetrie die Bildwirkung und lenkt den Fokus auf Formen, Linien und Proportionen.
Bei dieser Aufnahme hat Daniel eine meiner Fotoaufgaben vom Brüssel-Wochenende sehr schön umgesetzt. Ziel war es, die dekorative Leuchte nicht direkt vor dem Gebäude zu fotografieren, wo sie vor der großen und dominanten Fassade optisch untergehen würde. Stattdessen sollte das Hauptmotiv möglichst vor dem Himmel freigestellt werden. Genau das ist hier gelungen. Die dunkle Laterne mit ihren goldenen Verzierungen hebt sich klar vom hellen Himmel ab und zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Der Königliche Palast und die belgische Flagge bleiben bewusst im Hintergrund und liefern den Kontext, ohne mit dem eigentlichen Motiv zu konkurrieren. Besonders spannend finde ich, dass die vergoldete Krone auf der Laterne das königliche Thema des Ortes aufgreift. Durch die gezielte Perspektive entsteht so eine Verbindung zwischen Vordergrund und Hintergrund, ohne dass sich die einzelnen Elemente gegenseitig die Schau stehlen. Das Bild zeigt sehr schön, wie wichtig der eigene Standpunkt für die Bildwirkung sein kann. Oft reichen wenige Schritte nach links, rechts oder nach vorne, um ein Motiv deutlich stärker wirken zu lassen. Genau darum ging es bei dieser fotografischen Übung.
Bei dieser Aufnahme hat Daniel den Blick bewusst vom großen Ganzen auf ein kleines Detail gelenkt. Statt den Königlichen Palast als Gesamtansicht zu fotografieren, konzentriert er sich auf die vergoldeten Zierelemente des schmiedeeisernen Zauns vor dem Gebäude. Besonders gelungen finde ich die Positionierung des Hauptmotivs. Der vergoldete Abschluss in der Bildmitte scheint nahezu perfekt mit dem halbrunden Fenster des Palastes im Hintergrund zu verschmelzen. Obwohl das Fenster durch die geringe Schärfentiefe unscharf dargestellt wird, entsteht eine visuelle Verbindung zwischen Vorder- und Hintergrund, die dem Bild zusätzliche Spannung verleiht. Die Aufnahme lebt von genau solchen kleinen Entdeckungen. Die goldenen Ornamente bilden einen starken Kontrast zu den dunklen Zaunelementen, während die Wiederholung von Formen und die präzise Platzierung der Bildelemente für eine ruhige und zugleich sehr durchdachte Bildwirkung sorgen. Ein schönes Beispiel dafür, dass gute Architekturfotografie nicht immer das gesamte Bauwerk zeigen muss. Oft sind es die Details und ihre Beziehung zueinander, die ein Bild besonders interessant machen.
Brüssel überrascht immer wieder mit spannenden architektonischen Gegensätzen und genau diese hat Daniel in dieser Aufnahme sehr schön herausgearbeitet. Zwischen den geschwungenen Fassaden der historischen Gebäude öffnet sich der Blick auf die moderne Architektur des Verwaltungsgebäudes im Hintergrund. Das Bild wirkt stark durch die unterschiedlichen Formen und Strukturen. Während die Gebäude links und rechts mit ihren Rundungen, Fenstern und Verzierungen die klassische Architektur repräsentieren, setzt die geradlinige Fassade in der Bildmitte einen bewussten Kontrast. Die vertikalen Lamellen erzeugen dabei einen fast grafischen Rhythmus, der sofort ins Auge fällt. Mir gefällt besonders, wie die älteren Gebäude den modernen Bau förmlich einrahmen. Dadurch entsteht eine natürliche Blickführung, die den Betrachter direkt ins Zentrum des Bildes lenkt. Ein gelungenes Bild über den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart und darüber, wie unterschiedlich Architektur wirken kann, wenn man sie bewusst miteinander kombiniert.
Dieses Bild zeigt das Atomium einmal aus einer Perspektive, die man so nicht oft sieht. Statt die berühmte Sehenswürdigkeit in ihrer vollständigen Form zu fotografieren, hat Daniel den Blick direkt nach oben gerichtet und sich auf die geometrischen Strukturen konzentriert. Die massiven Verbindungsröhren durchschneiden das Bild diagonal und bilden gemeinsam mit den dunklen Streben der Glasfläche eine Komposition aus Linien, Formen und Flächen. Dadurch tritt das eigentliche Motiv fast in den Hintergrund und das Bild beginnt, wie eine grafische Studie zu wirken. Hinzu kommt die leicht diffuse Wirkung durch die Scheibe, die Gebrauchsspuren, Schmutzpartikel und Reflexionen sichtbar macht. Genau diese Unvollkommenheiten verleihen der Aufnahme einen fast geheimnisvollen Charakter. Ein Bild, das zeigt, wie spannend es sein kann, vertraute Motive bewusst anders zu fotografieren. Statt einer klassischen Postkartenansicht entsteht hier eine abstrakte Interpretation, die den Betrachter erst auf den zweiten Blick erkennen lässt, worauf er eigentlich schaut.
Last but not least: Kugel trifft Kugel
Manchmal entstehen die spannendsten Bilder, wenn zwei Ideen aufeinandertreffen. In diesem Fall trifft eine Glaskugel auf das wohl bekannteste Kugelbauwerk Europas – das Atomium. Daniel hat die Glaskugel nicht einfach als Effekt eingesetzt, sondern sehr bewusst in die Bildgestaltung integriert. Die Kugel in seiner Hand spiegelt das Atomium wider und wiederholt damit das zentrale Gestaltungselement des Bauwerks. So entsteht ein faszinierendes Spiel aus Formen, Spiegelungen und Perspektiven.
Besonders gelungen finde ich, dass die Struktur des Atomiums innerhalb der Glaskugel klar erkennbar bleibt, während das eigentliche Bauwerk im Hintergrund als unscharfe Kulisse erscheint. Dadurch wandert der Blick automatisch zum Mittelpunkt des Bildes. Die kleine Kugel wird zur Bühne für die große Kugelarchitektur. Das Bild zeigt sehr schön, wie man ein oft fotografiertes Motiv neu interpretieren kann. Statt einer klassischen Ansicht entsteht eine kreative Aufnahme, die zum Entdecken einlädt und beweist, dass manchmal eine Kugel genügt, um ein Wahrzeichen aus einer völlig neuen Perspektive zu zeigen.
Weiter geht es mit Christof Sauers tollen Aufnahmen ...
Zwischen Bewegung und Architektur
Das erste Bild aus Christofs Serie gefällt mir besonders gut, weil es den Charakter der Grand Place in Brüssel so authentisch einfängt. Statt eines „sauberen“ Postkartenmotivs lebt die Aufnahme genau von dem, was dort permanent passiert: Bewegung, Menschen, kleine zufällige Momente und diese besondere Energie eines belebten Platzes.Spannend finde ich dabei auch die Bildgestaltung aus der niedrigen Perspektive. Dadurch bekommt das historische Gebäude im Hintergrund noch mehr Präsenz und gleichzeitig entsteht im Vordergrund eine enorme Tiefe durch das Kopfsteinpflaster. Die vorbeilaufenden Menschen links sorgen zusätzlich für Dynamik, während die junge Frau rechts fast wie ein bewusster Gegenpol wirkt und dem Bild Balance gibt. Wen lächelt sie wohl gerade an? Genau solche Fotos zeigen wunderbar, dass Street- und Architekturfotografie nicht perfekt „aufgeräumt“ sein müssen. Oft sind es gerade die kleinen Zufälle, die einer Aufnahme Leben geben und sie viel interessanter machen als ein komplett leerer Platz.
Details im fünften Bild, die man vor Ort leicht übersieht
Während viele auf der Grand Place automatisch die komplette Architektur fotografieren, hat sich Christof hier bewusst auf einen kleinen Ausschnitt konzentriert und genau das macht das Bild so interessant. Die Aufnahme lebt von ihrer Symmetrie, den feinen Strukturen und den unzähligen Details der historischen Fassade. Besonders schön finde ich das Zusammenspiel aus den steinernen Figuren, den Ornamenten und den dunklen Fenstern mit ihren grafischen Linien. Durch den engeren Bildschnitt entsteht fast schon eine ruhige, grafische Wirkung, obwohl die Fassade selbst unglaublich detailreich ist. Genau solche Motive eignen sich perfekt, um bei Städtereisen oder Fotowochenenden den Blick für Details zu schulen. Statt immer nur „das ganze Gebäude“ zu fotografieren, lohnt es sich oft, mit etwas mehr Brennweite gezielt kleine Ausschnitte herauszuarbeiten. So entstehen Bilder, die nicht nur dokumentieren, sondern die Architektur fast abstrakt wirken lassen.Besonders gefällt mir hier der perfekte Bildausschnitt. Genau auf solche Dinge weise ich in meinen Workshops immer wieder hin: Schaut ganz bewusst darauf, wo euer Bild oben und unten sowie rechts und links beginnt beziehungsweise endet. Oft entscheidet genau das darüber, ob ein Foto ruhig, harmonisch und hochwertig wirkt oder eher zufällig. Manchmal scheint mein Schatz ja auf mich zu hören ... ;-)
Foto Numero 8: Ein kurzer Moment mitten im Trubel
Was ich an dieser Aufnahme besonders mag: Sie wirkt überhaupt nicht gestellt. Genau solche echten, unperfekten Momente machen Streetfotografie oft viel spannender als komplett geplante Bilder. Der Fokus liegt sofort auf dem Gesichtsausdruck des Mannes — dieser nachdenkliche, fast staunende Blick zieht einen direkt ins Bild hinein. Gleichzeitig sorgen die unscharfen Menschen im Vorder- und Hintergrund dafür, dass man sofort das Gefühl bekommt, mitten im Geschehen auf der Grand Place zu stehen. Fotografisch gefällt mir hier besonders die geringe Schärfentiefe. Sie trennt das Hauptmotiv wunderbar vom hektischen Umfeld, ohne dass die Atmosphäre verloren geht. Genau das ist etwas, worauf ich bei solchen Situationen immer wieder hinweise: Nicht nur „Menschen fotografieren“, sondern gezielt auf Ausdruck, Blickrichtung und die Ebenen im Bild achten. Oft entsteht dadurch aus einer scheinbar alltäglichen Szene plötzlich ein Bild mit echter Wirkung. Und auch hier merkt man wieder, wie wichtig der Bildschnitt ist. Trotz der Nähe und der spontanen Situation wirkt nichts zufällig platziert — das Hauptmotiv bekommt Raum, während die angeschnittene Person links zusätzlich Tiefe und einen dokumentarischen Charakter ins Bild bringt.
Goldene Details mit fast surrealer Wirkung im neunten Bild
Faszinierend finde ich hier das Zusammenspiel aus Realität und Spiegelung. Die goldene Vase mit den Rosen wirkt durch die Reflexion im Fenster fast wie eine kleine eigene Szene innerhalb des Bildes. Gleichzeitig tauchen im Hintergrund die Strukturen der gegenüberliegenden Architektur auf und verbinden sich mit dem Motiv zu einer fast surrealen Komposition. Fotografisch gefällt mir außerdem die ruhige und klare Gestaltung. Christof hat das Motiv sehr sauber eingerahmt und dem Objekt genau den Raum gegeben, den es braucht. Genau darauf weise ich in meinen Workshops immer wieder hin: Achtet bewusst auf die Ränder eures Bildes und darauf, welche Elemente ihr mit einbezieht — oft machen gerade diese Feinheiten den Unterschied zwischen einem „Schnappschuss“ und einer wirklich starken Aufnahme. Die warmen Goldtöne vor den eher kühlen und neutralen Farben im Hintergrund sorgen zusätzlich dafür, dass das Auge sofort beim Hauptmotiv landet.
In der nächsten Aufnahme trifft Street Art auf echten Moment
Dieses Bild funktioniert besonders gut, weil hier mehrere Ebenen gleichzeitig zusammenkommen. Auf den ersten Blick sieht man natürlich das Street Art Motiv, aber interessant wird die Aufnahme eigentlich erst durch die beiden Menschen davor. Plötzlich entsteht eine kleine Geschichte. Die Szene wirkt so, als würde die Figur an der Wand mit den Personen davor interagieren oder ihnen beim Betrachten zusehen. Genau solche Momente machen Streetfotografie lebendig, weil sie mehr zeigen als nur ein Motiv — sie erzeugen eine Atmosphäre und regen die Fantasie an. Fotografisch gefällt mir hier außerdem wieder die sehr bewusste Bildgestaltung. Die Personen sind perfekt im unteren Bereich platziert und geben dem Bild Maßstab und Leben, ohne dem eigentlichen Street-Art-Motiv die Wirkung zu nehmen. Gleichzeitig sorgt die vertikale Linienführung der Hauswand zusammen mit dem leicht schrägen Graffiti für Spannung im Bild. Und auch hier zeigt sich etwas, worauf ich in Workshops oft aufmerksam mache: Gute Fotos entstehen häufig dann, wenn man geduldig beobachtet und wartet, bis Menschen genau an die richtige Stelle im Bild laufen. Erst dadurch bekommt eine Szene ihre eigentliche Wirkung.
Architektur braucht manchmal Raum (Foto Numero 11)
Dieses Bild zeigt sehr schön, dass Architekturaufnahmen nicht immer von extremen Perspektiven oder spektakulären Effekten leben müssen. Oft wirkt ein Motiv gerade dann besonders stark, wenn man ihm bewusst Ruhe und Raum gibt. Hier gefällt mir die klare, symmetrische Bildgestaltung. Das Gebäude sitzt sauber mittig im Bild und bekommt durch die große freie Fläche des Kopfsteinpflasters im Vordergrund eine enorme Präsenz. Viele würden vermutlich näher heranzoomen oder den unteren Bereich wegschneiden, aber genau dieser „leere“ Raum sorgt hier dafür, dass die Architektur noch monumentaler wirkt. Das Einzige, was ich mir hier zusätzlich noch gewünscht hätte, wäre ein stärkeres Element im Vordergrund gewesen, das den Blick noch bewusster in die Tiefe hineinführt. Vielleicht eine Person näher an der Kamera, ein interessantes Schattenmuster oder ein anderes kleines Detail im unteren Bildbereich. Solche Vordergrundelemente können einer Aufnahme oft noch mehr räumliche Wirkung verleihen und die Bildtiefe verstärken. Auch die Menschen im mittleren Bereich sind fotografisch wichtig. Sie bringen Leben ins Bild und geben gleichzeitig ein Gefühl für die Größe des Gebäudes. Genau auf solche Dinge versuche ich in meinen Workshops immer wieder aufmerksam zu machen: Nicht nur das eigentliche Motiv betrachten, sondern bewusst überlegen, welche zusätzlichen Elemente einem Bild Atmosphäre, Tiefe oder Größenwirkung verleihen können. Dazu kommt die schöne Balance aus den warmen Steintönen und dem klaren Himmel, wodurch die Aufnahme trotz der klassischen Symmetrie angenehm ruhig und elegant wirkt.
Bild Numero 13: Fast wie eine futuristische Kathedrale
Diese starke Aufnahme von Christof entstand in der legendären Metrostation Pannenhuis, einer Location, die fotografisch unglaublich spannend ist und durch ihre futuristische Gestaltung sofort ins Auge fällt. Besonders stark finde ich hier die perfekte zentrale Perspektive. Alles läuft exakt auf die Bildmitte zu und genau dadurch entsteht diese enorme grafische Wirkung. Die kreisförmigen Lichtquellen oben erinnern an riesige Augen oder an ein futuristisches Wesen, während die von der Decke hängenden orangefarbenen Röhren sofort an mächtige Orgelpfeifen denken lassen. Genau dadurch bekommt der Raum etwas von einer futuristischen Kathedrale - monumental, fast sakral und gleichzeitig surreal. Gerade diese Metrostation eignet sich hervorragend für solche symmetrischen Architekturaufnahmen, weil die Formen, Farben und Linien dort wie gemacht für kreative Bildkompositionen wirken. Das intensive Orange in Kombination mit den hellen Lichtkreisen erzeugt einen extrem starken Kontrast und macht das Bild sofort sehr präsent und fast schon cineastisch.
Zwischen Retro-Charme und Grafikdesign im nächsten Bild
Was mir hier sofort in den Kopf kam: Die Außenwand wirkt fast wie Ommas Wohnzimmertapete in den 70ern. Genau diese orangefarbenen Muster, die geometrischen Formen und die leicht nostalgische Farbwirkung erzeugen sofort einen starken Retro-Vibe. Gleichzeitig wirkt das Ganze durch die klaren Linien und die grafische Gestaltung aber wieder erstaunlich modern. Fotografisch funktioniert die Aufnahme vor allem wegen der konsequenten Reduktion. Christof hat sich komplett auf Muster, Farben und Symmetrie konzentriert. Keine Ablenkung, kein zusätzlicher Kontext, nur Struktur und Geometrie. Genau dadurch beginnt man beim Betrachten automatisch, die Formen und Wiederholungen intensiver wahrzunehmen. Solche Bilder finde ich spannend, weil sie zeigen, dass gute Architektur- oder Urbanfotografie nicht immer spektakuläre Gebäude braucht. Oft reichen schon interessante Oberflächen, Farben oder grafische Elemente, wenn man sie bewusst sieht und sauber komponiert.
Weiter geht es mit Christian Hürters tollen Aufnahmen ...
Besonders spannend finde ich an Christians Bildern, dass man sofort seine eigene fotografische Handschrift erkennt. Seine Bildgestaltung lebt sowohl von klarer Symmetrie und grafischer Ordnung (selbst im Chaos), außergewöhnlichen Perspektiven und ungewöhnlichen Blickwinkeln. Genau dieser Wechsel zwischen Ruhe, Struktur und kreativer Dynamik macht
seine Aufnahmen so interessant.
Hast du auf dem zweiten Foto den Mann in der U-Bahn entdeckt?
Auf den ersten Blick wirkt die Aufnahme fast komplett menschenleer und extrem grafisch — voller Symmetrie, Linien und Wiederholungen. Erst beim
genaueren Hinsehen entdeckt man links hinten den einzelnen Fahrgast. Dadurch bekommt das Bild plötzlich eine ganz andere Wirkung. Ohne ihn wäre es „nur“ eine starke Symmetrieaufnahme.
Durch diese kleine menschliche Präsenz entsteht dagegen Atmosphäre und eine leicht cineastische Stimmung, wie eine Szene aus einem Film. Der Mann wirkt dabei fast verloren in dieser geometrischen,
künstlich beleuchteten Umgebung.
Genau solche kleinen Details machen urbane Fotografie so spannend.
Die Taube ist das I-Tüpfelchen des dritten Fotos
Ohne die Taube wäre es „nur“ eine grafisch interessante Aufnahme des Atomiums mit den diagonalen Rohren und den geometrischen Formen. Aber genau dieser kleine organische Moment oben auf der Lampe bringt Leben und eine gewisse Ironie ins Bild. Sie wirkt fast wie ein stiller Beobachter mitten in dieser riesigen futuristischen Stahlkonstruktion. Dadurch entsteht ein spannender Kontrast zwischen Technik und Natur, zwischen monumentaler Architektur und etwas völlig Alltäglichem.
Und kompositorisch funktioniert das richtig gut: Die Taube sitzt genau an einer starken Position im Bild und zieht den Blick sofort an sich, obwohl sie eigentlich winzig klein ist. Genau solche Details sind oft das berühmte „i-Tüpfelchen“, das ein Bild erinnerungswürdig macht.✨
Mein Titel für das vierte Bild: Golden Passage, Christians Titel: Catwalk
Die Galerie wirkt wie ein riesiger Tunnel aus Licht. Der Kamerastandpunkt macht die Bodenstruktur extrem präsent und zieht den Blick automatisch in die Tiefe des Bildes. Gleichzeitig entsteht durch die Menschen genug Leben im Bild, ohne dass sie die Architektur dominieren. Und genau da merkt man wieder Christians fotografische Handschrift: Er fotografiert Architektur nicht steril oder rein dokumentarisch, sondern mit Atmosphäre. Die Perspektive ist bewusst gewählt, die Linien führen perfekt, und trotzdem bleibt das Bild emotional und lebendig. Das Bild funktioniert bereits stark über Symmetrie, Licht und Perspektive. Aber ein zusätzliches Element im Vordergrund hätte die räumliche Tiefe wahrscheinlich noch intensiver gemacht und den Einstieg ins Bild verstärkt. Zum Beispiel eine Person angeschnitten im Vordergrund oder ein unscharfes Objekt nahe der Linse. Ohne Vordergrund passt Christians Titel allerdings perfekt.
"Circulation" im fünften Bild
Die kompromisslose Symmetrie macht das Bild extrem stark. Alles wirkt präzise ausgerichtet: die Rolltreppen, die Linien am Boden, die Deckenkreise, sogar die Lichtführung. Dadurch entsteht sofort diese monumentale, fast futuristische Wirkung. Und der Blickwinkel ist hier wirklich entscheidend. Durch den tiefen Standpunkt bekommt das Bild enorm viel Präsenz und Tiefe. Die Linien ziehen den Blick automatisch nach oben in die Kreise hinein. Dadurch wirkt die Station fast nicht mehr wie eine Metro, sondern eher wie ein Set aus einem Science-Fiction-Film oder eine futuristische Kathedrale.
Christians Titel „Old fashioned but dignified“ für das zwölfte Bild
Passt perfekt, weil das Bild von diesem wunderbaren Kontrast lebt: Die klassische, fast würdevolle Statue links wirkt ruhig, elegant und zeitlos, während daneben die moderne Modewerbung mit den lässigen Posen und dem riesigen C&A-Plakat steht. Und genau dadurch entsteht eine kleine visuelle Geschichte. Die Statue wirkt beinahe so, als würde sie die moderne Welt neben sich würdevoll trotzen! ? Kompositorisch funktioniert das ebenfalls sehr gut, weil die Statue klar dominant im Vordergrund steht und trotzdem genug Raum bleibt, damit das Werbeplakat seine Wirkung entfalten kann. Christian fotografiert nicht einfach nur Architektur oder Straßenszenen, sondern entdeckt kleine ironische oder erzählerische Momente im urbanen Raum. Genau solche Bilder bleiben oft länger im Kopf, weil sie nicht nur „schön“, sondern auch gedanklich interessant sind.✨
Dem dreizehnten Motiv einen Rahmen geben
Christian nutzt den Torbogen und die massive Säule nicht einfach nur als „Beiwerk“, sondern als natürlichen Rahmen für das eigentliche Motiv dahinter. Dadurch entsteht sofort mehr Tiefe und Räumlichkeit im Bild. Man hat fast das Gefühl, selbst unter den Arkaden zu stehen und hinauf auf das beeindruckende Gebäude am Grand Place zu schauen. Der Blick wird dabei ganz bewusst durch die dunkleren Vordergrundelemente auf die hellen goldenen Fassaden gelenkt. Dadurch wirkt die Aufnahme deutlich atmosphärischer, als wenn man die Gebäude einfach frontal fotografiert hätte.
„Red Dots“ in Bild 14
Das Bild funktioniert wieder ganz anders - deutlich ruhiger und poetischer. Was ich hier besonders stark finde, ist die Reduktion.
Eigentlich passiert fotografisch gar nicht „so viel“, und genau deshalb wirkt es. Die Frau im roten Oberteil wird sofort zum Blickfang, weil sie sich farblich so klar von den eher grauen und
gedeckten Tönen der Umgebung absetzt. Dieses kleine Rot zieht den Blick sofort an, fast wie ein einzelner Farbakzent in einem minimalistischen Gemälde. Gleichzeitig entsteht durch die unscharfen
Blumen im Vordergrund eine schöne räumliche Tiefe und eine leichte, fast träumerische Stimmung. Dadurch wirkt das Bild deutlich weicher und emotionaler als die sehr grafischen Architekturbilder
zuvor. Hier hat Christian die räumliche Tiefe geschaffen, die ich in der "Golden Passage" auf dem "Catwalk" vermisst hatte. Der zusätzliche kleine rote Farbklecks im Vordergrund rundet das Foto
perfekt ab.
Manneken Pis
Das Bild hat eine herrlich ironische Wirkung! Der kleine Manneken Pis steht da fast völlig unbeeindruckt im Zentrum, während davor eine ganze Menschenmenge ihre Smartphones hochhält, um genau diese winzige Figur zu fotografieren. Genau dieser Kontrast macht die Aufnahme so stark. Ich hatte dies als Fotoidee auf einem Laufzettel formuliert, den die Teilnahmer*innen während des Fotowochenendes von mir erhalten hatten und Christian hat diese Aufgabe perfekt umgesetzt! Und fotografisch funktioniert das richtig gut, weil Christian hier nicht einfach nur das bekannte Wahrzeichen dokumentiert, sondern die Situation drumherum mit einbezogen hat. Eigentlich erzählt das Bild viel mehr über Tourismus und modernes Reiseverhalten als über die Statue selbst. Interessant ist auch, dass man in den Silhouetten die Teilnehmer*innen Daniel und Petra (anhand ihres Hutes) auf der rechten Seite unten erkennt, zu deren tollen Aufnahmen wir auch noch kommen ...
Christians Titel „The Lion and the King“ passt zur letzten Aufnahme hervorragend.
Das ist wieder so ein typisches Bild, das erst auf den zweiten Blick seine Wirkung komplett entfaltet. Auf den ersten Blick sieht man einfach eine Statue und einen Löwen. Aber die Bildgestaltung macht daraus deutlich mehr. Der unscharfe Vordergrund mit dem Sockel von Leopold II. und den Pferdebeinen erzeugt sofort Tiefe und gleichzeitig eine gewisse Spannung, weil der eigentliche Blick erst dahinter auf den Löwen fällt. Dadurch entdeckt man das Motiv Stück für Stück. Besonders stark finde ich dabei die symbolische Wirkung: Vorne der König, dahinter der Löwe, beide monumental und machtausstrahlend inszeniert und gleichzeitig voneinander getrennt durch die Perspektive. Besonders spannend an dieser Aufnahme ist außerdem, dass sie auf der Erweiterung einer Bildidee von Christof, meiner besseren Hälfte, basiert. Zu seiner ursprünglichen Idee und seinen eigenen Aufnahmen kommen wir als nächstes. Dann wirst du sehen können, wie verschiedene Fotografinnen & Fotografen aus ähnlichen Gedanken völlig eigene Bildsprachen entwickeln.